Bitte zu Tisch - Fastenspeisen der äthiopisch-orthodoxen Kirche

Kochworkshop mit Mesfin Ayele
Am 9. März luden wir gemeinsam mit dem Afro-Asiatischen Instituts in das Cafe Global zu einem besonderen Kochworkshop ein. Im Mittelpunkt standen traditionelle äthiopische Fastenspeisen – ein Abend, der sowohl lehrreich als auch kulinarisch genussvoll werden sollte. Denn die äthiopisch-orthodoxe Kirche verlangt, dass Laien über 13 Jahre an mindestens 180 Tagen im Jahr fasten, meistens auch Mittwochs und Freitags. Wie funktioniert das Fasten im Alltag? Wie gestaltet sich die Kulinarik wenn dem Fasten eine zentrale Rolle zugeordnet wird? Gibt es Essensgebote oder -verbote? Welche Feste gibt es und wie werden sie gefeiert? Welche Speisen werden zu welchem Anlass gekocht? Mesfin Ayele hat uns diese und weitere Fragen beantwortet, mit uns gekocht und gegessen.
Einführung in Kultur und Fastenpraxis
Zu Beginn gab uns Mesfin Ayele einen spannenden Einblick in die Kultur Äthiopiens sowie in die Bräuche rund um das Fasten. In Äthiopien gibt es zahlreiche Fastentage – insgesamt rund 200 im Jahr. Drei davon sind größere, zusammenhängende Fastenzeiten.

Während der großen Fastenzeit vor Ostern verzichten viele Menschen auf Fleisch und nehmen oft nur eine Mahlzeit pro Tag zu sich, üblicherweise nach der heiligen Messe. Das wirkt sich sogar auf das gastronomische Angebot aus: In Regionen mit vielen Orthodoxen bieten Restaurants während dieser Zeit oft gar keine Fleischgerichte an – unabhängig von der Religion der Betreiberinnen.
Auch die Art des Essens unterscheidet sich deutlich von unserer. Die Gerichte werden gemeinsam auf einem großen Injera – einem typisch äthiopischen Sauerteig-Fladenbrot – angerichtet. Man reißt Stücke davon ab, packt das gewünschte Gericht hinein und isst mit den Händen. Dabei ist es üblich, auch den Sitznachbarn, die Partnerin oder die Kinder zu füttern. Essen ist hier eindeutig ein gemeinschaftliches Erlebnis.

Kochen in Teams – und viel gute Stimmung
Nach der Einführung ging es direkt ans Kochen. Die Teilnehmer*innen wurden in Gruppen eingeteilt und mit Rezepten ausgestattet. Auf dem Menü standen:
- Injera – äthiopisches Fladenbrot
- Dinich Atkelt – Kartoffelgericht
- Duba – Zucchinigericht
- Yedifen Miser Alicha Wot – mildes Linsengericht
- Yedifen Miser Wot – würziges Linsengericht
Als süße Nachspeise wurde Ibijumba zubereitet – ein Dessert aus Süßkartoffeln.

Mit großer Begeisterung wurde geschnippelt, gerührt und gekostet. Bald wurde es heiß und eng in der AAI-Küche – aber genau das führte dazu, dass sich die Teilnehmer*innen rasch näherkamen und sich in angeregte Gespräche vertieften.

Gemeinsames Essen als krönender Abschluss
Zum Abschluss wurden die frisch gekochten Speisen gemeinsam verkostet – und sie schmeckten hervorragend. Besonders die Nachspeise aus Süßkartoffeln fand großen Anklang.

Ein großes Dankeschön an alle, die so engagiert mitgekocht haben. Wir freuen uns schon jetzt auf den nächsten Workshop!