Bionik: Von der Natur lernen für nachhaltige Technologien

Kürzlich durften wir bei uns Frau Professor Ille Gebeshuber von der TU Wien begrüßen, die einen ebenso spannenden wie inspirierenden Vortrag zum Thema
„Bionik: Lernen von der Natur für nachhaltige Technologien“ gehalten hat.

Als renommierte Physikerin und leidenschaftliche Forscherin beschäftigt sich Ille Gebeshuber seit vielen Jahren mit der Frage, was wir von der Natur für moderne Technologien lernen können. Ihre Forschung führte sie dabei nicht nur an internationale Universitäten, sondern auch direkt in den Dschungel, wo sie Naturphänomene unmittelbar vor Ort untersuchte. Diese Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz und persönlicher Begeisterung war im gesamten Vortrag deutlich spürbar.
Farben ohne Chemie – nur durch Struktur
Ein besonders faszinierendes Beispiel aus der Bionik betrifft die Entstehung von Farben. Frau Gebeshuber zeigte eindrucksvoll, dass Farben in der Natur häufig nicht durch Farbstoffe, sondern allein durch feinste Oberflächenstrukturen entstehen. Durch gezielte Lichtbrechung und -interferenz entstehen so schillernde Farben – ganz ohne Pigmente.
Dieses Prinzip lässt sich sogar mit einfachen Experimenten nachvollziehen, etwa indem man Regenbogenfarben auf Schokolade sichtbar macht. Was auf den ersten Blick spielerisch wirkt, hat enormes Potenzial für die Industrie: Wenn Farben künftig allein über Struktur erzeugt werden könnten, ließen sich hochgiftige chemische Stoffe und aufwendige Prozesse vermeiden. Das wäre nicht nur kostensparend, sondern auch ein großer Schritt in Richtung nachhaltiger Produktion.

Zikaden als Vorbild für keimfreie Oberflächen
Auch im Bereich der Medizintechnik und Hygiene liefert die Natur erstaunliche Lösungen. In der Diskussion berichtete Frau Gebeshuber von Zikaden, deren Flügel über spezielle mikroskopische Oberflächenstrukturen verfügen. Treffen Bakterien oder Keime auf diese Strukturen, werden sie mechanisch zerstört – ganz ohne Chemie oder zusätzliche Energie.
Dieses Prinzip könnte zukünftig bei der Entwicklung von antibakteriellen Oberflächen eine wichtige Rolle spielen, etwa in Krankenhäusern, auf medizinischen Geräten oder in hygienisch sensiblen Bereichen. Die Natur zeigt hier einmal mehr, dass effiziente Lösungen oft überraschend einfach sein können.
Phytomining: Metalle ernten statt abbauen
Ein weiteres zukunftsweisendes Thema des Vortrags war das sogenannte Phytomining. Dabei werden Metalle nicht klassisch abgebaut, sondern mithilfe von Pflanzen gewonnen. Bestimmte Pflanzen, wie zum Beispiel der indische Senf, sind in der Lage, Metalle wie Gold aus dem Boden aufzunehmen und in ihrer Biomasse zu speichern.
Anschließend kann das Metall mit vergleichsweise einfachen chemischen Verfahren aus der Pflanze extrahiert werden. Dieser Ansatz eröffnet spannende Perspektiven für einen ressourcenschonenderen Umgang mit Rohstoffen, insbesondere in Regionen, in denen klassischer Bergbau ökologisch problematisch ist.
Ein gelungener Ausklang
Der Vortrag war nicht nur inhaltlich höchst spannend, sondern auch Anlass für anregende Diskussionen im Anschluss. In entspannter Atmosphäre klang der Abend bei Wein und Knabbereien aus und bot Gelegenheit zum Netzwerken und zum persönlichen Austausch.
Frau Professor Gebeshuber hat eindrucksvoll gezeigt, welches Innovationspotenzial in der Natur steckt – und dass nachhaltige Technologien oft dort beginnen, wo wir genau hinschauen und bereit sind, von der Natur zu lernen.